Die afrodeutsche Aktivistin Amata hat ihren Chef getötet und steht dazu. In ihrem Bericht erklärt sie die Tat nicht, sondern zeichnet nach, was dazu geführt hat. Sie deckt blinde Flecken der deutschen Geschichte auf, erzählt von ihrer Initiative »Beyond Reparations!«, von Polizeigewalt gegen Schwarze und nervigem Mansplaining, davon, wie weit Deutschland von dem gern postulierten »Wir« entfernt ist.
Solange die Menschen die Angst und den Schmerz nicht am eigenen Leib spüren, meint ihre Mutter, gibt es eh kein echtes Bemühen um »Nie wieder«. Eigentlich aber habe alles viel früher begonnen, vor Jahrhunderten, als die Deutschen in Westafrika landeten. Warum haben sich die Vorfahren damals nicht gewehrt, nicht mit Abschiebung und etwas wie Frontex reagiert, fragt Amata sich. Aber auch, was sie anders gemacht hätte.
Die Autorin hält der weißen deutschen Gesellschaft in unvergleichlicher Art den Spiegel vor. Amatas Bericht kontrastiert sie mit dem entlarvenden Geschwätz ihres Opfers, einem Nachfahren der Täter, der stellvertretend für all die selbstgerechten Gutmenschen steht.
Ein so wütendes wie ehrliches Buch über die Notwendigkeit, vom Reden ins Handeln zu kommen, ohne sich dabei der »Werkzeuge der Herrschenden« (Audre Lorde) zu bedienen.
Moderation: Fabienne Mahwane Gretschel