Es ist Vollmond in Vietnam und Thảo ist drei, als ihr Vater als Vertragsarbeiter in die DDR aufbricht. Statt wie versprochen nach 36 Monden heimzukehren, holt er die Familie erst elf Jahre später ins vereinte Deutschland nach.
Hier, wo die Mutter ihr Lachen verliert, beginnt für die 13-Jährige ein Leben in Armut, voller Arbeit und früher Verantwortung, voller Fragen nach Zugehörigkeit und Liebe, nach dem eigenen Platz in der Welt. Zum Vater und seiner Geschichte findet Thảo erst spät. Nur ihr Kindheitsfreund Thien kann den Bruch in ihrem Leben nachvollziehen, denn beider Leben sind jahrelang wie angehalten. Wer wären sie ohne Trennung und Verlust, ohne Schuld und Schweigen geworden?
Zurückgenommen und poetisch erzählt Thị Thanh Thảo Trần ihre Coming-of-Age-Geschichte zwischen Einsamkeit, Sehnsucht und Empowerment, zwischen Vietnam und Deutschland, zwischen Freundschaft, Familie und der deutschen Gesellschaft, die ihr mit Diskriminierung und Rassismus begegnet. Die Vertragsarbeit in der DDR ist dabei das ostdeutsche Gegenstück zur Gastarbeitergeschichte des Ruhrgebiets.