Nach zwei Romanen über Kurd:innen in Deutschland geht Karosh Taha mit »Gulistan« in den Irak der 1980er- und 1990er-Jahre unter Diktator Saddam Hussein zurück und nimmt die Erzählungen von Saddams Doppelgängern zum Ausgangspunkt, um über eine von Gewalt und Angst geprägte Gesellschaft zu schreiben. Dafür erfindet sie eine neue Sprache. Sie will Zeuginnenschaft ablegen von dem, was Frauen damals in Gefängnissen angetan wurde.
Als Gulistans Ehemann plötzlich verschwindet, macht sie sich auf die Suche nach ihm, der fortan als Doppelgänger fungieren muss. Der Diktator und seine Bilder sind omnipräsent, alle Männer im Land scheinen ihm zu ähneln. Gulistan wird verhaftet und gefoltert, entwickelt daraus aber Widerstand. Als sie endlich ihrem Mann gegenübersteht, kann sie ihm nicht mehr ins Gesicht schauen, ohne darin den Diktator zu sehen. Zudem fehlt ihr ein Auge, sie wurde »blind gemacht für ihre Bilder«.
Ein so politischer wie poetischer Roman über das Grauen einer Diktatur, über Gewalt und Verfolgung, aber auch über Widerstand. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2026.