Heimesbach, ein fiktiver Ort im Hunsrück, steht mit den großen und kleinen Geschichten seiner Bewohner:innen, einheimischen wie zugewanderten, exemplarisch für fast ein Jahrhundert deutsche Geschichte. Was in der Chronik des ehemaligen »Gaumusterdorfs« und den offiziellen Narrativen fehlt, sind neben dem Verschwiegenen und Verdrängten vor allem die Perspektiven der Mädchen und Frauen.
Diese Lücken füllt Shida Bazyar in einem Panorama miteinander verwobener Schicksale. Den Reigen eröffnen 1926 Johanna und Lore, die noch nicht ahnen, dass die eine als Jüdin deportiert werden wird, während die andere sich zur glühenden NS-Anhängerin entwickelt.
Von NS-Täter:innen über jüdische Familien bis hin zu zwei aus Iran geflüchteten Familien, die um Gehen oder Bleiben ringen, entwirft Bazyar an einem exemplarischen Ort mit Plätzen, die den jeweiligen Zeitgeist spiegeln, eine »große, regionalhistorische Geschichte« über Wandel und Kontinuität, nicht zuletzt als Mahnung für uns Leser:innen heute.
In Kooperation mit der Buchhandlung proust wörter & schönes.